© 2019 by Sabine Thoma

WIND

Einreichung: Literaturpreis FORUM LAND 2019

Schreibimpuls: Wind

Auf Grenzen pfeifen

Für mich als Kind der Stadt, wenn man das so sagen will, ist der Wind wohl was ganz anderes, als für das ein oder andere Kind vom Land, wenn man das so sagen will. Ich, das Kind der Stadt, seh den Wind, riech den Wind, schmeck den Wind anders. Anders als das Kind vom Land. Das Kind vom Land spürt den Wind, hört den Wind, fühlt den Wind anders. Anders als das Kind der Stadt.

Aber eigentlich habe ich keine Ahnung vom Wind am Land.

Ich habe ihn, den Wind vom Land, nämlich nie wirklich kennengelernt oder sonst irgendetwas mit ihm zu tun gehabt, aber manchmal merkt man den Wind vom Land auch in der Stadt. Oder eher gesagt das, was der Wind bringt. Das ist nämlich, nehme ich an, überall gleich mit dem Wind, egal ob Land oder Stadt. Er bringt etwas, der Wind. Und das verbindet dann den Wind vom Land mit dem Wind der Stadt. Dem Wind, jetzt ganz allgemein, ist das nämlich egal, ob er in der Stadt oder am Land weht. Der pfeift auf die Grenzen und über die Grenzen hinweg. Von Wien bis nach Gramatneusiedl, weiter bis nach Unterach und über den Arlberg drüber bis nach Dornbirn. So egal sind dem die Grenzen. Wenn er will, pfeift er sogar noch weiter. In alle Richtungen, wenn er Lust hat. Und eben aus all diesen Richtungen bringt der Wind etwas mit, zurück in die anderen Richtungen, in die es ihn verschlägt. Und so passiert es dann, dass ich, das Kind der Stadt, den Wind vom Land in der Stadt sehe, rieche und schmecke. Den selben Wind, den kurz zuvor noch das Kind vom Land gespürt, gehört und gefühlt hat.

Was wir Kinder da sehen, riechen oder schmecken würde man gerne wissen. Auch was wir spüren, hören und fühlen. Erkennen wir den Unterschied zwischen Stadtwind und Landwind? Die Stadtkinder und die Landkinder?

Können wir überhaupt einen Unterschied spüren? Wenn sogar der Wind auf die Grenzen pfeift?

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